Die Ausgangssituation
„Wir brauchen ein neues Webdesign. Unsere Internetseite wurde irgendwann... 1998 war das... von einem Bekannten gemacht...“
So oder so ähnlich könnte ein Auszug aus einem laufenden Akquise- oder Briefinggespräche klingen. Eine neue Website muss her. Sie sollte dem heutigen Internetzeitgeist entsprechen und neue potenzielle Kunden anlocken. Ganz wichtig! Sie muss innovativ sein.
Schauen wir uns doch mal die aktuelle Website an. Hui, so sahen also die Neunziger aus? Eingangs wird man mit einem Flash Intro musikalisch flimmernd erschlagen. Zum Glück gibt es ein entrinnen dank „Skip Intro“ Button. Webdesign aller Frameset und Gif-Animation. Blink, Blink. Der Hintergrund der Website ist mit dem Firmenlogo gepflastert. Alles verschwindet in einer Art Tapete. Keine zwei Sekunden würde ein Besucher auf dieser Hompage verweilen. Es ist eindeutig, hier muss dringend eine Veränderung her und das ziemlich schnell. Wunderlich, dass diese Firma so lange mit solch einem Webdesign unterwegs ist. Ist die Website doch die erste Anlaufstelle, um sich über das Unternehmen zu informieren.
Als erstes wird die Konkurrenz untersucht. Wo steht die Firma und mit wem muss sich die neue Website messen können. Schnell wird klar warum ein neuer Internetauftritt her muss. Die Konkurrenz ist stärker geworden. Diese hat es anscheinend nicht versäumt, die Außendarstellung im Internet auszubauen. Die Zielgruppe wird treffend und mit modernsten Marketingstrategien angesprochen. Eine große Herausforderung für die neue Website. 12 Jahre Entwicklung auf einmal aufzuholen ist fast unmöglich. Da hilft nur ein ausgereiftes Konzept. Die Zielgruppe muss bestimmt und ein echter Mehrwert geschaffen werden, der die Konkurrenz in den Schatten stellt.
Zweites Treffen mit der Firma. Konzept und Webdesign gefällt, die Problematik ist angekommen. Man trennt sich mit der Erkenntnis, dass die Lage ernst ist. Am nächsten Tag der erste Anruf:“...wir möchten anstelle der gezeigten Schrift lieber Times New Roman für die Website verwenden. Sie ist unserem Produktmanager am liebsten, da er seine Powerpoint Präsentationen damit schmückt.“ Nach langer Diskussion wird dem Wunsch folge geleistet. Ein paar Tage später erneut ein Änderungswunsch. Das Webdesign müsse noch mal überarbeitet werden. In der Firma wurde eine Umfrage gestartet und die Farbe blau gefällt den meisten nicht. Könnte man anstelle dieser vielleicht Rot einsetzten und die Texte mittig ausrichten. Auch hier hilft keine Argumentation.
Diese Kette der beharrlichen Gestaltungswünsche führt sich weiterhin fort. Es gibt zudem noch einen Bekannter eines Außendienstmitarbeiters, der öfters Websites für Firmen aus seinem Ort gestaltet. Dieser Websiteheimwerker ist über des Webdesign entsetzt.
"Er war so frei und hat über Nacht gerade eben schnell einen Entwurf gemacht. Könnten sie nicht Elemente daraus übernehmen. Auch über die Sache mit einem Blog und der interaktiven Produktdarstellung hat er uns beraten. Da sind wir uns jetzt gar nicht mehr so sicher. Außerdem hat Herr Mustermann momentan schon genug am Hals. Wir denken nicht das wir einen Mitarbeiter für die Pflege der Inhalte einsetzten können.....
Das Szenario dieser Geschichte ist frei erfunden. Entspricht Teilweise aber leider all zu oft der Realität. Eine empfehlenswerte Bildergeschichte, die diese Problematik auch sehr treffend aufbereitet, findest du unter folgendem Link:
How a Web Designer Goes Straight to Hell
Die Problematik!
Um ein innovatives Webdesign zu bekommen, muss man es in erster Linie auch zulassen. Viel zu oft wird die Meinung von unqualifizierten Personen zu Rate gezogen. Subjektive Geschmäcker dienen nicht mehr der zielgruppenorientierten Herangehensweise. Ein großes Übel sind zudem selbsternannte Webdesignheimwerker. Das beschriebene Szenario habe ich bis jetzt, zum Glück, nicht in dieser kompletten Form erlebt. Bisher konnte ich meinen Kunden immer davon überzeugen, dass fundiertes Wissen und Erfahrung über persönlichen Geschmäckern steht. Dabei schließe ich aber nicht aus, dass ein Unternehmen sich mit seiner Website identifizieren muss. Das Konzept eines Webauftritts baut auf der gesamten Außendarstellung einer Firma auf. Wobei die Zielgruppe der Website als Ausgangskriterium in Betracht gezogen wird.
Die Schwierigkeit liegt schlicht und ergreifend in der Veränderung die eine neue Website mit sich bringt. Die vernachlässigte Website wird auf einmal zu dem wichtigsten Marketinginstrument. Da der Mensch ein Gewohnheitstier ist, werden etablierte Muster von Anfang an verteidigt. Es fehlt intern eine Person mit der nötigen Fachkompetenz. Ein Berater der das Konzept versteht und die Problematik bestätigt. Gäbe es aber solch einen Mitarbeiter dann hätte das Unternehmen schon längst eine neue Website. Der Webdesigner steht nun vor der Aufgabe in kurzer Zeit das Unternehmen auf das vorzubereiten was nun auf sie zu kommt. In der Regel geht die Beratung schon soweit das wichtige Marketingfragen geklärt werden müssen. Der Webdesigner wird zum Unternehmensberater. Eine zielführende Marketingstrategie wird nicht über Nacht entwickelt. Diese Beratung kostet bei der Entwicklung einer Website sehr viel Zeit und verlangsamt den Arbeitsablauf erheblich. In den meisten Fällen wird die Website pauschal Kalkuliert. Einen solchen zusätzlichen Beratungsaufwand kann nur schwer vorhergesehen und mit kalkuliert werden.
Wo liegt der Lösungsansatz?
Einen Interessanter Ansatz habe ich unter folgendem Link gefunden:
Das Beratungsparadox
Wozu es ein passendes Buch gibt:
Anleitung zum Uninnovativsein
“Den Kunden da abholen, wo er steht, und dann sehen, wo man ihn hinleiten kann, und das Risiko gerecht verteilen.
Am Szenario betrachtet soll die Website wieder ein günstig produziertes Werk werden, das die nächsten 10 Jahre überdauert. Der Webdesigner muss nun die Chancen vermitteln, die in einer dynamischen Website liegen. Gerade solche Webelemente, wie z.B. ein Blog, bieten für ein aktives und dauerhaftes Internetmarketing ungeahnte Möglichkeiten. Ein Unternehmen, das seit längerem oder gar nicht im Internet tätig war, wird dies schlecht nachvollziehen können. War die Website doch nur eine Art Visitenkarte. Das Unternehmen braucht einen Mitarbeiter der genügend Zeitraum besitzt, um sich mit der Pflege der Inhalte zu beschäftigt. Vielleicht sogar die ganze Firma als Netzwerk oder Webportal auftreten lassen. Dadurch ist der Kompetenz nicht von einer Person abhängig, da das Unternehmen als Kollektiv auftritt in dem alle Mitarbeiter vertreten sind und sich mit einbringen. Die Kommunikation intern und extern würde dadurch gestärkt werden.
Das Unternehmen muss zu einer virtuellen Person werden, die sich im Internet verhält wie ein realer User. Da werden Profile in Netzwerken angelegt, getwittert, gebloggt, neue Fotos und Video Online gestellt. Wie wäre es mit einem Livestream vom aktuellen Messestand auf der CeBit. Der heutige Internetnutzer möchte mit einem Unternehmen in Kontakt treten können und sehen was passiert. Er möchte zeitnahe Antworten erhalten und die Firma virtuell im Web erleben. Diese Möglichkeiten haben bis heute viele Firmen nicht verstanden und in Zeiten der Krise werden diese wohl auch nicht genutzt. Diejenigen die heute darauf bauen werden in kürzester Zeit eine Marktdominanz im Web entwickeln bei der es Konkurrenten schwer haben diese in kürzester Zeit wieder aufzuholen. Bedenkt man das eine Menschen Jahr sieben Internetjahre besitzt.

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